Zitiertes

Abendländisches Sinthome | Theoretische Stepppunkte

September 22, 2014 at 5:59pm
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S E C C U M  E S S E

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5:55pm
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Das neue Gefüge von Wissenschaft und Industrie hat den Namen des Fortschritts angenommen, und dieser setzte sich dem Konservatismus der Kleriker und der Verfechter des Ancien Régime entgegen. Indes entfaltete sich der Progressismus in zwei entgegengesetzte Richtungen. Er war einerseits das Projekt der Bourgeoisie, das heißt der Kräfte des transformatorischen Kapitals, und stellte andererseits das Emanzipationsprojekt der Arbeitskräfte gegen diesselbe Bourgeoisie dar. Anders gesagt beruhte der Fortschritt niemals auf einer einzigen und einheitlichen Doktrin, sondern war stets Gegenstand von Konflikten um die Deutung des Sinns von Wissenschaft, Technik und Gesellschaft in ihren wechselseitigen Verflechtungen - und vor allem in ihren Verflechtungen über die zur Großindustrie gewordene Wirtschaft.

— Bernard Stiegler, Allgemeine Organologie und positive Pharmakologie (Theorie und ‘praxis’), in: Erich Hörl (Hg.), Die technologische Bedingung. Beiträge zur Beschreibung der technischen Welt, Suhrkamp, 2011, S. 124.

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September 21, 2014 at 12:54am
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B L A U E  S T U N D E

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September 19, 2014 at 8:53pm
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Asexuell

Bezeichnend, dass ein Weltwoche-Artikel den Blick auf essenzielle Dinge richtet, die im großen Diskurs scheinbar verloren gegangen sind oder schon immer verloren waren:

”[…] Die Frauen sind die unbestechliche Jury, vor welcher der Mann das Drama seiner Existenz aufführt. Seine Handlungen und seine Unterlassungen bleiben darauf abgezirkelt, die grösstmögliche Zustimmung einer grösstmöglichen Zahl von Frauen zu finden. Ohne dieses streng richtende Publikum fiele es dem Mann schwer, am Morgen aufzustehen. Zu kreativen Leistungen wäre er schon gar nicht in der Lage. Gäbe es die Frauen nicht, es gäbe weder Weltreiche noch kulturelle Meisterwerke. Ohne die Möglichkeit, die Frauen zu beeindrucken, wäre der Mann nie aus der Ur-Höhle gekrochen, in die er von Gott geworfen wurde.

Zwischen den Geschlechtern kann es nie Übereinstimmung und schon gar keine Harmonie geben. Das Missverständnis ist der Dauerzustand, der das Zusammenleben von Mann und Frau erst interessant und sinnvoll macht. Die Frau ist für den Mann das eigene Rätsel in Gestalt. Sie ist die ihm gestellte Aufgabe, die er niemals löst. Auf dem Weg seines Scheiterns, die Frau zu verstehen, erkennt er immerhin sich selbst. Diesen Prozess fortschreitender Erkenntnis, die nicht an ihr Ende kommt, aber eine Verfeinerung der Sitten bringt, nennen wir Zivilisation.

Genauso wenig, wie es im christlichen Sinn Erlösung auf Erden geben kann, gibt es harmonische Beziehungen zwischen Mann und Frau. […] Der Feminismus war das nicht minder ehrgeizige Bestreben, den dialektischen Kampf der Geschlechter durch Nivellierung aufzuheben. Erlösung durch Gleichschaltung auch hier: Aus Mann mach Frau, aus Frau mach Mann. […]

[…] Wer zum Beispiel Frauen gewaltsam in männliche Führungspositionen schieben will mit Quoten und Zwang, bleibt einem historisch widerlegten Weltbild verhaftet, das keine Unterschiede akzeptiert. Frauen und Männer aber sind nicht gleich. Sie leben und denken anders, sie handeln unterschiedlich und verfolgen andere Strategien, ihre Ziele zu erreichen oder sich im Leben zu verwirklichen. Der Versuch, die Differenzen einzuebnen, ist anstrengend, teuer und letztlich sinnlos. Männer und Frauen sind interessant, weil sie so verschieden sind.

Der Mensch muss die Entfremdung aushalten, in die ihn die Moderne katapultiert hat. Es gibt keine irdische Erlösung und auch keine Harmonie zwischen den Geschlechtern, aber es gibt produktive Spannungen, die uns fordernd klüger und lebendiger machen. […]”

— Roger Köppel, Die Weltwoche, Ausgabe 40/2013, Editorial: Frau und Mann.

Frau und Mann, über sie spricht man heutzutage wie über zwei entsexualisierte, ihrer Geschlechtlichkeit beraubte Rechtssubjekte. Die Frau hat es im Zuge des Feminismus vom biologicum zum abstractum geschafft.

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August 31, 2014 at 6:30pm
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Die Sorge um die Technik

Erich Hörl über die technologische Sinnverschiebung und ihre Folgen für die Subjektivität:

"Die kybernetische Subjektivität, die nur noch ökologisch als Integration verschiedener psychischer, kollektiver und technisch-medialer Subjektivierungsmilieus zu beschreiben ist, folgt auf die lang dauernde skriptuale Subjektivität der Epoche der Schrift. Auf den überkommenen subjektiven Transzendentalismus des Schriftzeitalters folgt die transzendentale Technizität einer ökotechnologische Prozesskultur, die bereits unsere heutige Erfahrung grundiert. Sie ist jedenfalls der Fluchtpunkt der bereits von Guattari eingeräumten ‘erstaunlichen Ausbreitung einer computergestützten Subjektivität’, mit der sich schließlich — im Verbund von Informationstechnologien und kognitiven Kapitalismus — ein technologisches Modell von Subjektivierung und auch des Unbewussten durchsetzt. Das Unbewusste kann, das war schon Guattaris Pointierung der sinngeschichtlichen Transformation, nur noch jenseits des überkommenen, der Schriftkultur entstammenden psychoanalytischen Rahmens und nicht länger als eine Sache intrapsychischer Wesen und in Begriffen des linguistischen Signifikanten gedacht werden, vielmehr als Gefüge verschiedenster semiotischer und pragmatischer Dimensionen, die aus den unterschiedlichsten existenziellen, medientechnisch durchdrungenen Territorien stammen."

— Erich Hörl, Die technologische Bedingung. Zur Einführung, in: Erich Hörl (Hg.), Die technologische Bedingung. Beiträge zur Beschreibung der technischen Welt, Suhrkamp, 2011, S. 33.

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August 19, 2014 at 5:24pm
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"Eben aus diesem Grund verkündet die bekannteste mystische Version über die Schöpfung, die des tsim-tsum der lurianischen Kabbala, daß das ‘Nichts’ der Schöpfung jenes ist, das sich in Gott öffnet, wenn dieser sich im Akt des Schöpfens in sich (und schließlich von sich) zurückzieht. Gott vernichtet sich als ‘sich’ oder als getrenntes Sein, um sich in seinen Akt ‘zurückzuziehen’ — der die Öffnung der Welt macht.”
— Jean-Luc Nancy, Die Erschaffung der Welt oder Die Globalisierung, diaphanes, 2002, S. 81.

"Eben aus diesem Grund verkündet die bekannteste mystische Version über die Schöpfung, die des tsim-tsum der lurianischen Kabbala, daß das ‘Nichts’ der Schöpfung jenes ist, das sich in Gott öffnet, wenn dieser sich im Akt des Schöpfens in sich (und schließlich von sich) zurückzieht. Gott vernichtet sich als ‘sich’ oder als getrenntes Sein, um sich in seinen Akt ‘zurückzuziehen’ — der die Öffnung der Welt macht.”

— Jean-Luc Nancy, Die Erschaffung der Welt oder Die Globalisierung, diaphanes, 2002, S. 81.

schöpfung urknall jüdische mystik kabbalah ontologie sein gott
August 17, 2014 at 12:33am
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"Nicht wie die Welt ist, ist das Mystische, sondern daß sie ist.”
— Ludwig Wittgenstein, Tractatus logico-philosophicus, Werkausgabe, Bd. 1, Suhrkamp, 1989, 6.44.

"Nicht wie die Welt ist, ist das Mystische, sondern daß sie ist.”

— Ludwig Wittgenstein, Tractatus logico-philosophicus, Werkausgabe, Bd. 1, Suhrkamp, 1989, 6.44.

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August 16, 2014 at 4:59pm
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The fact that ‘sexual difference’ is not a differential difference (which might explain why Lacan actually never uses the term ‘sexual difference’) can explain why Lacan’s famous formulas of sexuation are not differential in any common sense: They don’t imply a difference between two kinds of being(s)—there is no contradiction (antagonism) that exists between M and F positions. On the contrary, contradiction, or antagonism, is what the two positions have in common. It is what they share, the very thing that binds them. It is the very point that accounts for speaking about ‘men’ and ‘women’ under the same heading. Succinctly put, the indivisible that binds them, their irreducible sameness, is not that of being, but that of contradiction or out-of-beingness of being. This is also what it means that ‘there is no sexual realtionship’: It doesn’t mean, as the popular title goes, that ‘men are from Mars and women from Venus,’ and as such it can never form a harmonic couple. It is not something that aims at explaining the war between sexes, ‘the war of the Roses,’ the alleged incompatibility of sexes. For these explanations are always full of claims about what is ‘feminine’ and what is ‘masculine’—something that psychoanalysis denies all knowledge of, as we’ve already seen. The psychoanalytic claim is at the same time much more modest and radical: Sexes are not two in any meaningful way. Sexuality does not fall into two parts; it does not constitute a one. It is stuck between ‘no longer one’ and ‘not yet two (or more)’; it revolves around the fact that ‘the other sex doesn’t exist’ (which is to say that the difference is not ontologizable), yet there is more than one (which is also to say, ‘more than multiple ones’).

— Alenka Zupančič, Sexual Difference and Ontology, in: e-flux, Journal #32, 02/2012.

alenka zupancic jacques lacan geschlechterverhältnis ontologie psychoanalyse ljubliana school of psychoanalysis
August 13, 2014 at 6:48pm
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Suizid als Ausagieren

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Der Suizid von Robin Williams ließe sich mit Freud gesprochen als eine Form des Ausagierens sehen; die Selbstötung mit Rekurs auf Lacan als passage a l’acte — das Subjekt löscht sich in einem finalen Akt selbst aus, es verlässt die Szene, weil es sich nicht mehr aushält. Ob man sich umbringt, oder dem psychotischen Wahn verfällt — beides impliziert immer den Tod des Individuums als Subjekt.

Schaut man sich in entsprechenden Internetforen wie Suicide Watch auf Reddit um, wird schnell klar, dass Williams keinen Sonderfall darstellt. Wahrscheinlich schien auch für ihn das Leid nicht mehr aushaltbar; nichts griff mehr, weder psychiatrische Medikation, noch Selbstmedikation (beides ist eine Form, sich selbst auf Abstand zu halten; das durchaus produktive Potenzial dieser Methode sollte nicht geleugnet werden). Denn als genau das muss sein exzessiver Alkohol- und Drogengebrauch gesehen werden. Auch die Schauspielerei — das Ausagieren par excellence — verschaffte ihm keinen Halt mehr; seine Filme, seine Rollen, sein Humor, seine zuvorkommende, freundliche Art, von denen seine Fans berichten, das waren alles Formen seines subjektiven Ausagierens.

Wer besagte Foren im Netz aufsucht, will gehört werden; anscheinend haben diese Menschen niemanden, der ihnen zuhört. Und mit Zuhören ist nicht gemeint, dass die eine Seite von ihren Problemen berichtet, während die andere Seite Verständnis und Mitgefühl zeigt - das Subjekt verlangt vom anderen, dass sein innerer Diskurs — der Diskurs des Unbewussten — gehört werden will. Das im Unbewusten verschüttete Verdrängte kommt durch das Sympton zu Tage. Verdängung findet statt, wenn das Subjekt sich mit einem traumatischen Ereignis, weil für es nicht verstehbar, inkommensurabel und deshalb nicht integrierbar, konfrontiert findet. Das Vergangene, was an die Oberfläche drängt, versucht das Subjekt auf verschiedenste Weisen zu unterdrücken; dieser innere Kreislauf aus Kompensation, Schuld und Bestrafung verschärft das Leid des Subjekts nur.

Die Aufgabe der psychoanalytischen Sprechkur ist den Diskurs des Subjekts zu Bewusstsein zu bringen und ihn im Rahmen der analytischen Beziehung zwischen Analytiker und Analysand durchzuarbeiten. Deshalb setze ich mich für die Psychoanalyse ein, statt der gängigen psychiatrisch-neurologischen Praxis mit ihrem Therapieangebot, das auf die Funktionalität des Subjekts im Kapitalismus abzielt, indem ich durch diesen Beitrag auf das psychoanalytische Angebot aufmerksam mache. Und das natürlich im Bewusstsein darüber, dass auch letzteres seine Grenzen hat, ein Ausagieren in Form von Suizid auch während oder als Folge der Analyse geschehen kann.

robin williams suizid selbstmord depression psychoanalyse sigmund freud jacques lacan
August 10, 2014 at 6:13pm
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Drogenkonsum und der Lacan’sche Akt.

Remis Zitat ab 1:52 min, sich in seinem Junky-Sein akzeptiert zu haben und seine Bereitschaft, die Last dieses Daseins zu tragen, käme dem Lacan’schen Akt gleich:

"Das Worumwillen des Begehrens des Subjekts, determiniert von seiner Einlassung in den Signifikanten, läßt keine andere Wahl als sich zu übernehmen. Die Doppeldeutigkeit, die diesem Ausdruck innewohnt, läßt sich einerseits so lesen, daß, wer sich zur Selbst-Bestimmung aufwirft, nur überladen kann, so daß sein Subjekt-Sein das Schicksal ereilen wird, unter der Last zusammenzubrechen. Andererseits deutet sich in der Übernahme seiner Selbst ein Eingehen des Subjekts an — sein Aufgehen in ein reines Begehren. Lacan erkannte dieser Extremform der Exposition seiner Selbst in der Tat einen re-strukturierenden Effekt zu.

Unsere Untersuchung zur Stellung des Subjekts und seiner Freiheit, sich selbst aus einer Position heraus in Stellung zu bringen, gipfelt also in der Dimension des Akts. […]

Wie aber trifft es sich, daß im Akt das Reale des Begehrens zum Zug kommt? Dafür muss der Akt im Sinne der psychoanalytischen Ethik Lacans ‘rein’ sein […]. Das heißt, er darf nicht willkürlich aus äußerlichen Gründen (Konventionen, Regeln, Über-Ich-Verbote) oder persönlichen Motiven (Lust, Nützlichkeit, Vermeidung von Schmerz) heraus erfolgen. Tatsächlich verdirbt schon das geringste Zögern die Reinheit des Akts, denn das Gesetz des Begehrens muß das Handeln unmittelbar affizieren. Es gibt für den Akt sozusagen weder ein Außen noch ein Danach denn jede ‘verantwortungsethische’ Berücksichtigung der Konsequenzen bedeutete Rücksichtnahme auf die bestehende symbolische Ordnung und würde zu Einschränkungen oder Kompromissen führen. Der Akt aber verfolgt keinen Zweck außerhalb seiner, er ist ‘an sich’.”

— Christoph Braun, Die Stellung des Subjekts. Lacans Psychoanalyse, Parados, 3. Auflage, 2010, S. 325ff.

Hier gilt zu betonen, dass die Entscheidung Remis, trotz allem der Droge treu zu bleiben den Charakter des Akts ausmacht, und nicht die primären Effekte der Droge wie Euphorie und Schmerzfreiheit. Auch begründet sich seine Treue zur Droge nicht dadurch, durch eine Fortführung des Konsums die psychsichen wie auch physischen Symptomen einer Drogenabhängigkeit beizukommen, sondern ihn trotz jenen aufrecht zu erhalten.

“‘Er ist der einzige erfolgreiche Akt und völlig verschieden vom “Tun” oder von der “Aktion”. Er bedeutet ein radikales Nein! gegenüber dem Universum, das ihn umgibt, und bringt einen nicht zu reduzierenden Risikofaktor mit sich’ (Zupanic, 1998, S. 90).

[…]

Man sieht wohl, welche Tragweite der Akt annimmt: Im Akt riskiert sich das Subjekt selbst, es exponiert sich in extremer Weise, setzt alles aufs Spiel - wirft sein Leben in die Waagschale. Daraus lässt sich ein und nur ein Modell folgern, das die reine Struktur des Akts aufweist: der Selbstmord. Nach Miller ist

'jeder wahre Akt im Sinne Lacans, sagen wir es, ein “Selbstmord des Subjekts”; man kann das zwischen Anführungszeichen setzen, um zu zeigen, daß es daraus wiedergeboren werden kann, aber es wird anders daraus wiedergeboren. Das macht den Akt im eigentlichen Sinn aus, daß das Subjekt vorher und nachher nicht mehr das gleiche ist.' […]

[…]

Verglichen mit dem rein destruktiven, gar psychotisch verwirrten ‘passage à l’acte’, der sich als Übergang ins Reale vollzieht, ist der hier in Rede stehende Akt zwar ebenfalls ein Überschreiten des Symbolischen, sofern er ‘wie ein symbolischer Selbstmord’ strukturiert […] ist. Doch erfolgt er vom Inneren der symbolischen Ordnung aus, wobei er nicht nur die symbolischen Verbindungen auftrennt, sondern sie auch wieder zusammenknüpft.

Der Akt, der den Horizont der Freiheit des Subjekts ausschreitet, ist also die ultimative Antwort auf die Frage der Stellung des Subjekts — die Destitution des Subjekts. Im Akt läßt das Subjekt alle Masken fallen, kündigt alle Regeln, alle Rechte und Pflichten auf, stellt sich jenseits. Den Status dieses Abfalls von sich, dieser Häutung vom Ich, bezeichnete Lacan als ein ‘Zwischen-zwei-Toden’ […].”

— ebd.

Die Gefährlichkeit von Drogenkonsum besteht gerade darin, dass es mit einem Einlassen in das Bad eines nahezu reinen Begehrens verbunden ist, ein Begehren, welches anzunehmen und zu tragen nur die wenigsten vermögen. So lassen sich die katastrophalen Folgen einer Heroinsucht damit erklären, dass das Subjekt durch das Erfahren der überwaltigenden Wirkung in besagtes Bad getaucht wird, ohne es sich dessen im Vorfeld bewusst zu sein und ohne das Rüstzeug zu besitzen, um dieses fast reine Begehren, mit dem es bereits nach dem ersten Konsum konfrontiert wird, auszuhalten — ein Kreislauf aus Schuld, Kompensation und Bestrafung beginnt.

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